Viele Menschen suchen nach Maßstäben und Verhaltensregeln.
Sie wollen wissen, wann sie okay
sind, was sie tun müssen, um gut
zu sein, wie sie welche Erwartungen erfüllen sollen oder nicht.
Da ist eine tiefsitzende Unsicherheit, die wir, wie das mit Unsicherheiten so ist, nur ungern zum Vorschein kommen lassen.
Seien wir froh, daß es sie gibt. Es kann gutgehn, wenn jemand meint, er sei total toll. Aber viel öfter geht’s sehr sehr schief. Jeder, der mal einem totalen Egomanen gegenüber gesessen hat, weiß, wie sehr der seine Umgebung belastet.
Die meisten Menschen jedoch merken, daß sie nicht perfekt sind.
Überleg nur mal, wie oft du gute Gelegenheiten verpaßt, anderen Menschen zu helfen oder sie fröhlich zu machen, dich mit kleinen Lügen aus Unannehmlichkeiten raushältst, oder wie oft du sogar jemanden enttäuschst, mißachtest, verletzt. Wie oft du Zeit vertrödelst, faul bist, nützliche Dinge nicht tust, jemanden am liebsten erwürgen möchtest und so weiter. Da kommt schon ’ne ganze Menge zusammen.
Nun gibt es einen Gott. Das ist die Prämisse, von der wir ausgehen. Wenn du jetzt sagst no way, das geht mal gar nicht, ausgeschlossen
, dann geh den Rest als Gedankenspiel mit, oder lies gar nicht weiter. Ich werd’ nicht versuchen, dir Gott zu beweisen.
Also wir haben die Erkenntnis, daß wir nicht perfekt sind, und daß Gott das sehr genau weiß. (Frag nicht woher?
und warum?
. Wir gehen davon aus, daß Gott Gott ist. Der Typ, der das Universum erschaffen hat. Nicht ein beliebiger Außerirdischer oder Spukschloßgeist.) Wir müßten jetzt alle in Zittern und Zagen leben: auweia, Gott hat die Augen auf uns, und bei dem ganzen Mist den wir bauen, kann das nicht gut sein.
An der Stelle – tadaaa – kommt Jesus ins Spiel. Aber der Reihe nach.
Gott ist nicht doof. Was wir eben alles festgestellt haben, weiß er genausogut.
Er sieht: was Menschen so alles verbrochen haben, verbrechen, und verbrechen werden, ob nun Notlüge oder Massenmord (auch der lauert in jedem von uns) – das geht auf keine Kuhhaut. Als verantwortungsvoller Schöpfer müßte er jetzt eigentlich mit ’nem Donnerkeil dreinfahren und jeden zur Rechenschaft ziehen. Das wäre nicht sehr angenehm für uns. Aber er hat da ein kleines Problem: er liebt ja, was er geschaffen hat – inklusiv der Menschen. Was Liebe ist, wissen wir alle wenigstens ein bißchen. Da bestraft man nicht gerne. Eigentlich kann man es gar nicht. Gott steckt also in der Zwickmühle. Verarschen lassen darf er sich nicht, bestrafen kann er auch nicht recht.
Und er – nochmal tadaaaa – löst das Problem, indem er sich nicht raus‐, sondern reinwindet. Er nimmt erstmal selber Menschengestalt an. Genau, jetzt sind wir bei Jesus. Inwiefern der nun ein Mensch war oder Gott oder beides – über die genaue Antwort zu der Frage streiten sich seit zweitausend Jahren die Haarspalter, die man Theologen nennt. Gehen wir einfach davon aus, daß Gott irgendwie in ihm war, und durch seine Augen ein menschliches Leben miterlebt und ‐gefühlt hat, von der Wiege bis zur Bahre.
Zurück zum Thema – Gott in Jesus nimmt den ganzen Dreck (mathematisch ausgedrückt: die Funktion zur Beschreibung der Summe menschlicher Unvollkommenheit, integriert über alle Zeit der Welt) auf seine eigene Kappe.
Stellvertretend für alle nimmt er die Verantwortung auf sich und wird auf unangenehme Weise hingerichtet.
So. Ein paar Sekunden sacken lassen. – Wir haben einen Gott, der uns (als Menschheit) so sehr liebt, daß er lieber selber unsere Scheiße ausbadet, als uns alle dafür verantwortlich zu machen.
Das ist mal ’ne gute Nachricht. Auf griechisch “Evangelium”.
Eins hab ich noch.
Gott ist hingerichtet, aber der Typ, der das Universum erschaffen hat, bleibt natürlich nicht tot. Nach anderthalb Tagen wandert er wieder in der Gegend rum, und erzählt den Leuten, daß auch sie nicht tot bleiben werden, wenn sie sterben. Sie sollen nur auf ihn vertrauen.
Bevor wir uns jetzt alle vor der Nacht der wandelnden Toten fürchten – wir können nur vermuten, daß er das anders gemeint hat. Was er nun meinte, über die genaue Antwort zu der Frage streiten sich seit zweitausend Jahren… genau.
Gehen wir einfach davon aus, daß es was gutes ist.

