2008-09-13 09:18:41 | Author: Fusselwurm

Viele Men­schen su­chen nach Maß­stä­ben und Ver­hal­tens­re­geln.
Sie wollen wis­sen, wann sie okay sind, was sie tun müs­sen, um gut zu sein, wie sie wel­che Er­war­tungen er­fül­len sol­len oder nicht.
Da ist eine tief­sitzende Un­si­cher­heit, die wir, wie das mit Un­si­cher­hei­ten so ist, nur un­gern zum Vor­schein kom­men las­sen.
Seien wir froh, daß es sie gibt. Es kann gut­gehn, wenn je­mand meint, er sei to­tal toll. Aber viel öf­ter geht’s sehr sehr schief. Je­der, der mal einem to­talen Ego­ma­nen ge­gen­über ge­ses­sen hat, weiß, wie sehr der sei­ne Um­ge­bung be­la­stet.
Die mei­sten Men­schen je­doch mer­ken, daß sie nicht per­fekt sind.
Über­leg nur mal, wie oft du gu­te Gelegen­heiten ver­paßt, an­de­ren Men­schen zu hel­fen oder sie fröh­lich zu ma­chen, dich mit klei­nen Lü­gen aus Un­an­nehm­lich­kei­ten raus­hältst, oder wie oft du so­gar je­man­den ent­täuschst, miß­ach­test, ver­letzt. Wie oft du Zeit ver­trö­delst, faul bist, nützl­iche Dinge nicht tust, je­man­den am lieb­sten er­wür­gen möch­test und so wei­ter. Da kommt schon ’ne gan­ze Men­ge zu­sam­men.

Nun gibt es einen Gott. Das ist die Prä­misse, von der wir aus­ge­hen. Wenn du jetzt sagst no way, das geht mal gar nicht, aus­ge­schlos­sen, dann geh den Rest als Ge­dan­ken­spiel mit, oder lies gar nicht wei­ter. Ich werd’ nicht ver­su­chen, dir Gott zu be­wei­sen.
Also wir ha­ben die Er­kennt­nis, daß wir nicht per­fekt sind, und daß Gott das sehr ge­nau weiß. (Frag nicht wo­her? und wa­rum?. Wir ge­hen da­von aus, daß Gott Gott ist. Der Typ, der das Uni­ver­sum er­schaf­fen hat. Nicht ein be­lie­biger Außer­ir­di­scher oder Spuk­schloß­geist.) Wir müß­ten jetzt al­le in Zit­tern und Za­gen leben: au­weia, Gott hat die Au­gen auf uns, und bei dem gan­zen Mist den wir bauen, kann das nicht gut sein.
An der Stelle – tadaaa – kommt Je­sus ins Spiel. Aber der Rei­he nach.
Gott ist nicht doof. Was wir eben al­les fest­ge­stellt haben, weiß er ge­nau­so­gut.
Er sieht: was Men­schen so al­les ver­bro­chen haben, ver­bre­chen, und ver­bre­chen wer­den, ob nun Not­lüge oder Mas­sen­mord (auch der lau­ert in je­dem von uns) – das geht auf keine Kuh­haut. Als ver­ant­wortungs­vol­ler Schöpfer müß­te er jetzt ei­gent­lich mit ’nem Don­ner­keil drein­fahren und je­den zur Re­chen­schaft zie­hen. Das wä­re nicht sehr an­genehm für uns. Aber er hat da ein klei­nes Pro­blem: er liebt ja, was er ge­schaf­fen hat – inklu­siv der Men­schen. Was Lie­be ist, wis­sen wir alle we­nig­stens ein biß­chen. Da be­straft man nicht ger­ne. Ei­gent­lich kann man es gar nicht. Gott steckt also in der Zwick­müh­le. Ver­ar­schen las­sen darf er sich nicht, be­stra­fen kann er auch nicht recht.
Und er – noch­mal tadaaaa – löst das Pro­blem, in­dem er sich nicht raus‐, son­dern rein­win­det. Er nimmt erst­mal sel­ber Men­schen­ge­stalt an. Genau, jetzt sind wir bei Je­sus. In­wie­fern der nun ein Mensch war oder Gott oder bei­des – über die ge­naue Ant­wort zu der Fra­ge strei­ten sich seit zwei­tau­send Jah­ren die Haar­spal­ter, die man Theo­lo­gen nennt. Ge­hen wir ein­fach da­von aus, daß Gott irgend­wie in ihm war, und durch sei­ne Au­gen ein mensch­li­ches Le­ben mit­er­lebt und ‐ge­fühlt hat, von der Wie­ge bis zur Bah­re.
Zu­rück zum The­ma – Gott in Jesus nimmt den gan­zen Dreck (ma­the­ma­tisch aus­ge­drückt: die Funktion zur Be­schrei­bung der Sum­me mensch­li­cher Un­voll­kom­men­heit, in­te­griert über al­le Zeit der Welt) auf sei­ne ei­ge­ne Kap­pe.
Stell­ver­tre­tend für al­le nimmt er die Ver­ant­wor­tung auf sich und wird auf un­an­genehme Wei­se hin­ge­rich­tet.
So. Ein paar Se­kun­den sacken las­sen. – Wir ha­ben ei­nen Gott, der uns (als Mensch­heit) so sehr liebt, daß er lie­ber sel­ber un­se­re Scheiße aus­ba­det, als uns al­le da­für ver­ant­wort­lich zu ma­chen.
Das ist mal ’ne gu­te Nach­richt. Auf grie­chisch “Evangelium”.

Eins hab ich noch.
Gott ist hin­ge­rich­tet, aber der Typ, der das Uni­ver­sum er­schaf­fen hat, bleibt na­tür­lich nicht tot. Nach an­dert­halb Ta­gen wan­dert er wie­der in der Ge­gend rum, und er­zählt den Leu­ten, daß auch sie nicht tot blei­ben wer­den, wenn sie ster­ben. Sie sol­len nur auf ihn ver­trau­en.
Be­vor wir uns jetzt al­le vor der Nacht der wan­deln­den To­ten fürch­ten – wir kön­nen nur ver­mu­ten, daß er das an­ders ge­meint hat. Was er nun mein­te, über die ge­naue Ant­wort zu der Fra­ge strei­ten sich seit zwei­tau­send Jah­ren… ge­nau.
Ge­hen wir ein­fach da­von aus, daß es was gu­tes ist.

Category: Religion
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